Eine der ersten Fragen, die man als Besucher der Stadt Tokyo vermutlich gestellt bekommt, lautet: „Welchen Bezirk wirst du als erstes besuchen?“

Meine Antwort kam prompt und  lautete „Akihabara!“. Die nette Lächeln der Herren links und rechts neben mir wandelte sich zu einem breiten Grinsen! Ich verstand dieses Grinsen nicht und wurde wiederum gefragt: „秋葉原!なんで?“ (Akihabara! Warum?). Ich versuchte zu erklären, dass für mich Akihabara der Bezirk sei, mit dem ich Japan als erstes assoziieren könnte. Damit meinte ich die prachtvolle Farben- und Lichterwelt, die sonderbare wechselnde Akustik in den Straßen und selbstverständlich die Manga- und Technikwelt!

Der nette Herr hinter der Bar (auch grinsend) vermittelte mir, das es sich um ein Phänomen handelt. Deutsche und Holländer besuchen bevorzugt Akihabara in den ersten Tagen, während andere Eropäer sich nach Shibuya begeben und Amerikaner bzw. Australier den Bezirk Shinjuku als erstes wählen.

Für mich war die Wahl anderer Nationalitäten nicht relevant, ich hatte mir Akihabara in den Kopf gesetzt mit dem Ziel öfters und mit Ruhe dorthin zu fahren!

Zu meinen Zielen sollte der Besuch div. Elektronik-, Mangashops, Spielhallen und ein Maidencafé gehören.

Wie man hier schon sehr schön erkennen kann, wird das Angebot an Produkten und Dienstleistungen sehr stark durch Außenwerbung dem Konsumenten offeriert. Wer die Wahl hat, hat die Qual! Und das in einem sehr kleinen Elektronikshop, dessen Gänge max. 1 Meter breit waren und dennoch vom Fußboden bis zur Decke mit elektronischen Teilen, Ersatzteilen oder was weiss ich bestückt waren! Angefangen vom Mustertoaster im Sonderangebot über Platinen mit Leuchtdioden bestückt bis hin zu filligransten Ersatzteilen für vermutlich mechanische Festplatten! Die Preise fand ich human und wenn der Geldbeutel etwas lockerer gewesen wäre, dann hätte ich bestimmt und mit Sicherheit das eine oder andere Spielzeug gekauft!

Das Angebot fand ich echt schrill, und die Toaster im Sonderangebot, standen vermutlich nur da, damit es den Frauen beim Männer-Shopping nicht zu langweilig wird!

Nun möchte ich etwas weg von der Technik und den Konsum in eine andere Richtung lenken! Und zwar Japans heiß geliebte Automatenwelt! An dieser Stelle möchte ich gleich eins betonen… Es gibt in Japan, egal wo man sich gerade befindet, nicht einen einzigen Automaten, sei es ein Getränkeautomat oder ein Automat bestückt mit Spielzeug, der alleine in der Gegend herum steht! Nein! Automaten treten immer als Armee auf und sind in Japan nicht weg zu denken! Diese Art von Automaten richten sich nicht wirklich an kleine Kinder! Nein! Die Zielgruppen sind Jugendlich bis hin zur älteren Generation die die Sammelleidenschaft und den Tausch dieser „Dinge“ gepackt hat. Der Effekt ist ähnlich wie bei uns der Inhalt der Überraschungseier! Nur das hier halt die Schokolade fehlt.

Was für Inhalt das ist? Es sind entweder kleine Plaketten bedruckt mit Mangas oder aber auch kleine Manga-Figuren aus Kunststoff. Das Startgeld beläuft sich auf ¥25 (das sind umgerechnet ca. €0,20) und endet meist bei mehreren hundert Yen. Also das heisst, es wird solange eingeworfen, bis man das richtige Unikat bekommen hat. Ich war mit ¥125 dabei. Aber Spaß hat das allemal gemacht!

Im übrigen… Auch hier herrschen strenge Gesetze was die Bestückung dieser Automaten angeht. Es muss immer eine bestimmte Anzahl an „Unikaten“ auf die Automaten verteilt und nachgefüllt werden. Es ist daher nicht selten, dass nach erscheinen eines neuen Unikats, die Automaten bis in die späte Nacht belagert werden. Das sind dann die „Otaku“ (おたく). Bei uns werden sie Freaks oder auch Geeks genannt!

Akihabara ist nicht nur in der Abend- oder Nachtzeit attraktiv. Das Publikum ändert sich rapide wie mir aufgefallen ist. Tagsüber sieht man mehr Familien mit ihren kleinen Kindern, oder Gruppen von Jugendlichen die gerade ihre Pause von der Schule hier verbringen. Hingegen zum Abend tauchen hier schon die ersten Freaks auf die sich präsentieren wollen. Hier erlebte ich eine kleine Escorte von liebevoll mit Mangas (Hatsune Miku) lackierten Fahzeugen die die Hauptstraße in Akihabara herauf und hinuter fuhren. Ein echter Blickfang, besonders dann wenn man zufällig dieses Manga besonders gerne hat! 😀

Hierzu kam lautstark die passende Musik, kleine Maid’s die Werbezettel verteilten, undefinierbar angenehme Gerüche und natürlich flackerndes Licht und animierte Bildschirme in Übergröße. Spätestens jetzt war mir klar, dass ich im Japan meiner noch so kindlichen Vorstellungen angekommen war!

Da wo gerade von schöner Lichterwelt und interessanter Geräuschkulisse die Rede war, möchte ich ganz gerne auf etwas eingehen, dass sich „Pachinko“ nennt. Pachinko ist ein Glücksspiel, genauer gesagt ein Geldspielautomat der mit kleinen Kugeln bestückt wird, die sich durch ein kleines Labyrinth bewegen um dann einen Gewinn erzielen (oder auch nicht in den meisten Fällen). Ich möchte an dieser Stelle allen Interessenten am japanischen Glücksspiel „Pachinko“ nahelegen, die Wikipedia zu lesen, oder einfach mal auf YouTube nachzuschauen, wie sich das so ungefähr anhören bzw. anfühlen kann. Ich selbst habe das nicht probiert, und meine japanischen Freunde rieten mir davon ab. Und zwar alle! Dennoch ließ ich mich nicht davon abhalten eine Pachinkohalle als Zuschauer zu besuchen!!!

Ich kann hierzu eines sagen… Es ist wirklich interessant zu sehen, wie hypnotisiert die Spieler vor diesen Automaten sitzen und ihre Kugeln tonnenweise in den Automaten schütten und sich von der Akustik und den Blitz-Licht-Effekten berieseln lassen. Da das nicht reicht, wird im Hintergrund mit ohrenbetäubender Lautstärke Musik gespielt und von Zeit zu Zeit eine Gewinnausschüttung angekündigt (Noch lauter als die Musik im Hintergrund!).

Eine Pachinkohalle ist nicht typisch für Akihabara, diese findet man überall, auch irgendwo im nirgendwo!

Was in Pachinkohallen nicht erlaubt ist, ist filmen, fotografieren und Alkohol! Rauchen ist wiederum teilweise erlaubt und demnach dampft es auch dort wie aus einem Vulkan!

Ich kann dennoch getrost jedem Japanbesucher nahelegen, wenigstens einmal einen Blick hinein zu werfen. Sei es als Zuschauer oder als jemand der seine Neugier befriedigen möchte. Ich werde dieses bestimmt tun! 🙂

Was die Unterhaltung in Akihabara anbelangt, so kann ich nur eines sagen… Akihabara macht einfach Spaß, ist in jeder Hinsicht ein Erlebnis, auch wenn hier oder dort etwas anrüchig erscheinen mag. Denn jeder sollte wissen, dass Japan sehr kontrastreich ist, und nicht alles was für uns Europäer auf den ersten Blick anrüchig erscheint auch gleich ablehnungswürdig sein muss!

Nehmen wir als Beispiel, auch für mich anfangs eine ungewohnte typisch japanische Attraktion, das Maidencafé.

Vorab gibt es zu sagen, dass das Alter des Personals unterhalb der japanischen Volljährigkeit liegt (Volljährigkeit in Japan liegt bei 20 Jahren). Wie alt genau die Maidens nun sind kann man nur erahnen. Rein vom äußerlichen her könnte man zwischen 14-16 Jahren schätzen. Und genau hier fängt das kritische Denken an!

Ist das legal? Ist das gewollt? Was soll das? Wer steckt dahinter? Ist das kontrolliert? usw…

Zum Thema Maidencafé könnte man einen tatsächlich diskussionswürdigen Artikel schreiben. Davon nehme ich hier allerdings Abstand, da ich trotz starker Skepsis und auf meinen Wunsch hin eines dieser Cafés besuchte und keine schlechten Erfahrungen sammeln konnte. Informationen zur ursprünglichen Entstehung solcher Cafés gab es auch obendrauf. Allerdings nicht von der Maid selbst, sondern vom Freundeskreis!

Legalität? Klar sind Maidencafés in Japan legal, sonst wären sie nicht in Akihabara präsent! Das liegt auf der Hand! Doch wie sieht es aus mit der Kontrolle? Soweit vom Hörensagen unterliegen diese Cafés dem Jugendschutz und dadurch permanenter strenger Kontrollen. Die Betreiber, heute meist private Investoren, haben strikt an diese Gesetze zu halten. Soviel zum sauberen Maidencafé !

Wie ist es entstanden, was steck dahinter, und wozu das Ganze?

Laut Erzählungen, ist die Erfindung der Maidencafés zurückzuführen auf Institutionen der japanischen Regierung. Das Ziel war, vereinsamte und schüchterne Jugendliche von ihrer Unterhaltungselektronik wegzulocken um am geselschaftlichen Leben teil zu nehmen. Dies erwies sich anfangs als etwas schwierig und daher entschloss man sich, dass jeder der so ein Café aufsuchen sollte, auch seinen Laptop, Gameboy, Handy etc. mitzubringen. Um dort mit gleichgesinnten zu kommunizieren. Als Alternative dazu boten sich die Maids an um ganz unbefangen, einfache Spiele a la Vier gewinnt usw. zu spielen. Dieses Konzept schien aufzugehen und hat, wie ich beobachten konnte sich bis heute gehalten.

Das gleich gilt für Touristen in diesen Cafés. Auch Ihr könnt gerne gegen einen kleinen Aufpreis irgendwelche Spiele spielen. Sogar GO war im Angebot. Das Publikum war altersmäßig von ca. 16 Jahren bis hoch zu 50+

Ich war erstaunt erstaunt über die lockere Atmosphäre und würde jederzeit wieder ein Maidencafé besuchen und weiterempfehlen.

Dies sind natürlich nur ein paar Attraktionen in Akihabara. Wer noch mehr erleben möchte, möge div. Seiten im Netz abklappern um an mehr Informationen zu gelangen. Ich habe hier wohl die bekanntesten Hi-Lights beschrieben.

Viel Spaß und Freude In Akihabara!